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Evagrius Ponticus: Antirrhetikos

Erstes Buch: zu den Gedanken der Gefräßigkeit

1. Zu dem Gedanken, der ohne die Mühe des Fastens den Boden der Vernunft zu bearbeiten sucht: + Issachar war ein ruhender Kämpfer inmitten der Stämme, und als er gesehen hatte, daß sein Gebiet schön war und sein Land reich, legte er seine Schulter unter das Mühen und wurde Fronarbeiter. (vgl. Gen 49,14-15)

2. Zu dem Gedanken, der mir sagt: verschaffst du deiner Seele nicht Last durch das viele Fasten, das dir nichts nützt und dein Denken nicht reinigt? + Und er machte das kupferne Becken und seinen kupfernen Fuß für die Waschungen für die Frauen, die fasteten und zum Beten zur Tür des Zeltes kamen. (vgl. Ex 38,8; 30,18)

3. Zu dem Gedanken, der den Wunsch in uns weckt, an Festtagen Fleisch zu essen und uns rät, wegen der Schwäche des Leibes oft davon zu essen: + Dem Volk sollst du sagen: heiligt euch für morgen, und ihr werdet Fleisch essen; nicht einen Tag werdet ihr essen und nicht zwei und nicht fünf und nicht zehn und nicht zwanzig Tage, (sondern) während Monaten von Tagen, bis es euch aus den Nasenlöchern herauskommt und euch davon übel wird, denn ihr habt dem Herrn nicht gehorcht, der unter euch ist. (Num 11,18ff)

4. Zu dem Gedanken, der verlangt, uns sowohl mit Speise als auch mit Trank zu sättigen und nicht den aus der Befriedigung des Bauches entstandenen Verfall bemerkt: + Und du wirst essen und satt werden, aber nimm dich in acht, daß du nicht den Herrn, deinen Gott vergißt, der dich aus Ägypten aus dem Sklavenhaus herausgeführt hat. (vgl. Dtn 8,10.11.14)

5. Zu dem Gedanken, der mir sagt, daß das Gebot des Fastens hart ist: + Dieses Gebot, auf das ich dich heute verpflichte, geht nicht über deine Kraft und ist nicht fern von dir. (Dtn 30,11)

6. Zu dem Gedanken, der verlangt, (mich) mit Speise und Trank zu sättigen und denkt, daß das nichts Böses für die Seele ist: + Und Israel wurde fett und stieß von sich und verließ den Gott, der ihn erschaffen hatte, und lästerte den Starken, der ihn gerettet hatte. (Dtn 32,15)

7. Zum Gedanken der Gefräßigkeit, der mich bedrängt, daß ich schon zur neunten Stunde esse: + Gott tue mir dies und jenes, wenn ich, ehe die Sonne untergeht, esse und trinke. (2 Sam 3,35)

8. Zu dem Gedanken, der mir Angst macht, es könnte mir mangeln an Brot und Salbung und den nötigen Dingen: + Der Mehltopf wird nicht leer werden und der Ölkrug nicht versiegen bis zu dem Tag, an dem der Herr wieder Regen auf den Erdboden sendet. (1 Kön 17,14)

9. Zu der Seele, die satt an Brot und Wasser den Weg der Heiligen zu gehen sucht: + Und der König von Israel sagte: Nehmt den Micha und bringt ihn weg zum Stadtoberen Ammon und zu Joasch, dem Sohn des Königs, und er wird im Gefängnis sein, und gebt ihm das Brot großer Bedrängnis, bis ich in Frieden wiederkomme. (1 Kön 22, 26f.)

10. Zu dem Gedanken, der mir sagt, daß das, was wir für uns gesammelt haben, nicht für uns und die Brüder, die zu uns kommen, genügt: + So spricht der Herr: sie werden essen und noch übriglassen. Und sie aßen und ließen noch übrig nach dem Wort des Herrn. (2 Kön 4,43f.)

11. Zu dem Gedanken, der mich verbittert wegen des Lebens in bitterer Armut: + Der Herr hütet mich, und nichts wird mir fehlen. (Ps 23,1)

12. Zu dem Gedanken, der, wenn man keinen Hunger hat, mit der Ausrede der Gastfreundschaft Brot wegen eines möglichen Mangels sammelt: + Einst war ich jung, nun bin ich alt, nie sah ich einen Gerechten verlassen noch seine Kinder betteln um Brot. (Ps 37,25)

13. Zu dem Gedanken, der sich über Speisen und Kleider sorgt, aber die wahre Sorge vernachlässigt: + Denn meine Verfehlung bekenne ich, und ich werde mich sorgen wegen meiner Sünde. (Psalm 38,19)

14. Zu dem Gedanken, der mir rät und sagt: lebe und faste nicht so schwer, und zerstöre nicht mit ständiger harter Arbeit deinen schwachen Körper: + Er wird hart arbeiten in Ewigkeit und leben bis zum Ende und keinen Verfall sehen, während er Weise sterben sieht. (vgl. Ps 49,9f.)

15. Zu dem Gedanken, der mir sagt: zerstöre und demütige deine Seele nicht so unbarmherzig durch Schlafentzug: + Ein zerbrochenes und zerschlagenes Herz wird Gott nicht verschmähen. (Ps 51,19)

16. Zu dem Gedanken, der sich um Nahrungsmittel und Getränke kümmert und sich anstrengt, woher er sie herbeibringt: + Wirf deine Sorge auf den Herrn, und er selbst wird dich erhalten. (Ps 55,23)

17. Zu dem Gedanken, der mir eingibt: der Schlafentzug nützt dir nichts, sondern versammelt alle Gedanken gegen dich: + Ich habe gewacht, und bin allein geworden wie ein Spatz, der aufs Dach fliegt. (Ps 102,8)

18. Zu dem Gedanken, der uns vorwirft: ihr meidet Salbung und denkt nicht an David, der gerade das getan und gesagt hat: + Mir wanken die Knie von Fasten, und mein Leib verändert sich aus Mangel an Öl. (Ps 109,24)

19. Zu dem Gedanken, der uns unserer Lebensweise abtrünnig macht, in dem er uns ängstigt und sagt, daß das schwere Fasten zu einem kläglichen Tod führen wird: + Ich werde nicht sterben, sondern leben, und die Taten des Herrn verkünden. (Ps 117,17)

20. Zu dem Gedanken, der mich überredet, daß ich ein wenig von dem ganzen Fasten weglasse und der Schwäche und meinem erbarmungswürdigen Körper ein wenig Ruhe erlaube: + Ich werde nicht hineingehen zum Ruheplatz meines Hauses und nicht auf mein Bett steigen und meinen Augen keinen Schlaf geben und meinen Lidern keinen Schlummer, bis ich einen Ort für den Herrn finde, eine Wohnung für den Gott Jakobs. (Ps 132,3-5)

21. Zu dem Gedanken, der mir bald geschehenden Hunger und große Bedrängnis vorhersagt: + Der Herr wird die Seele seines Knechtes nicht verhungern lassen, aber das Leben des Gottlosen wird er zugrunderichten. (Spr 10,3)

22. Zu dem Gedanken, der mir eingibt, Wein zu wünschen, als ob Leber und Nieren vom Wasser geplagt wären: + (??? paßt nicht - Spr 12,11: Wer sein Feld bestellt, wird satt von Brot, wer nichtigen Dingen nachjagt, ist ohne Verstand.)

23. Zu dem Gedanken, der die Sorge um Nahrung noch vermehrt, von der Besorgtheit um einen guten Wandel aber gering denkt: + In allen Sorgen ist dir etwas nützlich, aber der Arme ist in seinem Wandel heiter und ohne Leid.(vgl. Spr 14,23)

24. Zu dem Gedanken, der über kümmerliche Nahrung und trockenes Brot weint: + Besser einen trockenen Bissen in Frieden als ein Haus voll Opfer(fleisch) mit Streit. (Spr 17,1)

25. Zu dem Gedanken, der uns überredet, daß wir an Festtagen den Leib ein wenig bemitleiden und ihm einen kleinen Luxus gönnen: + Dem Narren tut Wohlleben nicht gut, und einem Knecht nicht, zu einem Mächtigen zu reden. (vgl. Spr 19,10)

26. Zu dem Gedanken, der uns ermuntert, ohne schwere Krankheit Wein zu trinken und uns sonst Schmerzen in Magen und Eingeweiden vorhersagt: + Ungezügelt ist der Wein und gewalttätig die Trunkenheit, jeder aber, der damit umgeht, wird nicht weise. (Spr 20,1)

27. Zu dem Gedanken, der unseren Verstand raubt, damit wir unser Fasten und unseren Lebenswandel durch Schwüre binden, was aber dem monastischen Leben fremd ist: + Eine Falle ist es für den Menschen, dem Heiligen ein Gelübde abzulegen, denn nach dem Geloben kommt die Reue. (Spr 20,25)

28. Zu dem Gedanken, der uns durch die Sorge hindert, unser Brot mit den Armen zu teilen und sagt, daß jener uns überall findet, wir aber nicht zu den Türen anderer kommen können: + Wer sich erbarmt, wird gesegnet, denn von seinem Brot hat er dem Armen gegeben. (Spr 22,9)

29. Zu dem Gedanken, der uns an Festtagen weichlich vorträgt, doch einmal in der ganzen Zeit Fleisch und Wein kosten: + Sei kein Weintrinker und unrettbar, denn jeder Trunkenbold und Unzuchttreibende wird zugrundegehen, und der Schläfrige Lumpen tragen. (vgl. Spr 23,20 f)

30. Zu dem Gedanken, der uns an den früheren Luxus erinnert und uns an den süßen Wein und die Gefäße in unseren Händen denken läßt, als wir zu Tisch lagen und tranken: + Richte dein Auge nicht auf den Wein, das Auge leuchte nicht über dem Becher sondern wandle in Gerechtigkeit, denn zuletzt fällt er wie durch einen Biß einer Schlange und einer Hornviper (?) (vgl. Spr 23,31f)

31. Zu dem Gedanken, der uns aufstachelt, daß wir unseren Magen mit Brot und Wasser sättigen: + Gib nicht das Bett des Gerechten dem Sünder, und führe nicht den Magen zur Sättigung. (? Keine Stelle angegeben)

32. Zu der Scham, daß wir unsere Väter beschämen(?), die uns überreden, daß wir das Fasten ein wenig lösend Gemüse im Garten essen: + Es gibt eine Scham, die Sünde bringt, und eine Scham, die Ehre und Ruhm einträgt. (Sir 4,21)

33. Zu dem Dämon, der mich durch Schmeichelei überredet und mir wegen meiner Eide sagt: Von jetzt an sollst du an Nahrungsmitteln und Getränk nicht Mangel leiden, weil dein Leib so schwach und ausgetrocknet ist vom ausgedehnten Fasten: + Der Feind sagt Sanftes mit der Zunge, mit dem Herzen aber plant er Böses. (vgl. Spr 26,24)

34. Zu dem Gedanken, der mir erklärt, wie hart die Gebote Gottes sind und mir sagt, daß sie dem Leib und der Seele viele Leiden und Schmerzen verschaffen: + Besser Schläge eines Freundes als Küsse eines Feindes. (Spr 27,6)

35. Zu dem Gedanken, der ein wenig Wein will, ohne daß eine Krankheit es nötig macht, und mir sagt, daß der Wein ja für alle Menschen erschaffen wurde: + Das alles hat er gut gemacht zu seiner Zeit. (Koh 3,11)

36. Zu dem Gedanken, der mich dazu bringen will, mich nach dem alten Luxus, nach den Gelagen und all diesen Gewohnheiten zu sehnen: + Besser der Gang in ein Haus, wo man trauert, als der Gang in ein Haus, wo man trinkt. (Koh 7,2)

37. Zu dem stillen Gedanken, der uns überredet, über das, was nötig ist, hinaus unsere Askese auszudehnen, so daß wir uns Bußgewänder um den Bauch binden, in die Wüste ziehen und ständig unter dem freien Himmel bleiben und uns von den Wurzeln der Wüste ernähren, und der uns rät, auch noch den Anblick der Menschen zu fliehen, die uns ermutigen und von uns ermutigt werden: + Werde nicht zu gerecht und zu weise, damit du nicht völlig verwirrt wirst. (Koh 7,16)

38. Zu dem Gedanken, der uns an die früheren Freuden erinnert und die kommende Bedrängnis aufzeigt: + Wir haben das Gute vom Herrn angenommen, sollen wir dann das Schlechte nicht annehmen? (Ijob 2,10)

39. Zu dem Gedanken der Seele, zu den dem Fleische nach Verwandten zu gehen und einen mit allen Arten von Speisen gefüllten Tisch zu finden: + Steh auf und geh, denn dies ist kein Ruheplatz für dich. (Mi 2,10)

40. Zu dem Gedanken der Gefräßigkeit, der uns verschreibt, uns an Festtagen an prächtigen Tischen niederzusetzen und zu essen und uns daran zu freuen: + Ich aber will jubeln über den Herrn und mich freuen über Gott, meinen Retter. (Hab 3,18)

41. Zu dem Gedanken, der uns an die Freuden und den mit allem Guten gefüllten Tisch erinnert und diese höher preist als die monastischen Tugenden: + Wehe denen, die das Gute schlecht und das Schlechte gut nennen, die die Finsternis zum Licht und das Licht zur Finsternis machen und das Süße bitter und das Bittere süß. (Jes 5,20)

42. Zu dem Gedanken der erschöpften und ermüdeten Seele bei Hunger nach ein wenig Brot und ein bißchen Wasser : + Auch wenn der Herr euch wenig Brot und Wasser der Bedrängnis gegeben hat, werden dir nicht mehr nahekommen, die dich irreführen, denn deine Augen werde die Irreführer sehen und deine Ohren die Stimme derer hören, die dir nachlaufen, um dich zu verführen. (Jes 30,20f)

43. Zum Herrn wegen der Schwäche meines Leibes, der wegen all des Fastens krank und durch die schwere Lebensweise abgemagert ist, und meiner Seele, die von schlechten Gedanken der Unzucht erfüllt ist: + Herr; denk an mich, und nimm dich meiner an! Nimm für mich Rache an meinen Verfolgern! Weise mich nicht zurück in deiner Geduld! Wisse, daß ich deinetwillen Schmach erleide von denen, die dein Wort verachten. (Jer 15,15f)

44. Zum Herrn wegen des Dämons, der den Magen und alle Gelenke des Leibes kalt werden läßt und alle Schwäche wie von langem Fasten oder Krankheit in unseren Leib hineinwirft: + Sieh her, Herr, denn ich bin bedrängt; meine Eingeweide sind im Aufruhr, und mein Herz dreht sich in mir um. (Klgl 1,20)

45. Zu der Seele, die nicht zufrieden ist mit Brot als Speise und Wasser als Trank, sondern stattdessen Gemüse verlangt und nicht an die Samen der Bedrängnis denkt, die Daniel und die Freunde, die mit ihm waren, aßen: + Und Daniel sagte zu Amensar, den der Obereunuch eingesetzt hatte über Daniel, Ananja, Asarja und Mischael: Versuche es doch zehn Tage mit deinen Knechten; laß uns nur Samen zu essen und Wasser zu trinken geben, und sieh unser Aussehen und das der jungen Männer, die vom Tisch des Königs essen, und nach dem, was du siehst, verfahre weiter mit deinen Knechten. Und er hörte auf sie und versuchte es zehn Tage mit ihnen. Am Ende der zehn Tage aber waren ihre Gesichter schöner und ihre Körper stärker und wohlgenährter als die all derer, die vom Tisch des Königs aßen. Und Amensar ließ ihre Speisen weg, und sie aßen Samen. (Dan 1,11-16)

46. Zu der Seele, die zur Zeit des Kampfes eine starke Waffe zu finden sucht: + Dann wurde Jesus vom Geist in die Wüste geführt; dort sollte er vom Teufel in Versuchung geführt werden. Als er vierzig Tage und vierzig Nächte gefastet hatte, bekam er Hunger. (Mt 4,1-2)

47. Zu dem Gedanken, der sich wegen Nahrung und Kleidung sorgt mit der Ausrede der Gastfreundschaft und der Ausrede der Krankheit und des großen Leidens des Leibes: + Sorgt euch nicht um euer Leben und darum, daß ihr etwas zu essen habt, noch um euren Leib und darum, daß ihr etwas anzuziehen habt. Ist nicht das Leben wichtiger als die Nahrung? (Mt 6,25)

48. Zu der Seele, die mit Gefräßigkeit begehrt und der Ruhe des Leibes und irgendwelchen Freuden nachläuft und das tatsächlich für den Weg des Lebens hält: + Aber das Tor, das zum Leben führt, ist eng, und der Weg dahin ist schmal, und nur wenige finden ihn. (Mt 7,14)

49. Zu dem Gedanken, der uns hindert, unsere Nahrung und Kleidung mit einem Armen zu teilen, als ob das, was da ist, nicht genügte für uns und ihn, und als ob später ein anderer Schwächerer und Ärmerer als dieser da sei und es uns zukomme, jenem zu geben und nicht diesem; denn dieser ist lästig und will ohne Mühe essen und sich kleiden: + Wer zwei Gewänder hat, der gebe eines davon dem, der keines hat, und wer zu essen hat, der handle ebenso. (Lk 3,11)

50. Zu der Seele, die das Angenehme liebt und nur für sich Speise und Kleidung ansammelt: + Und alle, die gläubig geworden waren, bildeten eine Gemeinschaft und hatten alles gemeinsam. Sie verkauften Hab und Gut und gaben davon allen, jedem so viel, wie er nötig hatte. (Apg 2,44-45)

51. Zu der Seele, die müde wird in der Bedrängnis, die ihr wegen der Enthaltsamkeit von Brot und Wasser geschieht: + Durch viele Drangsale müssen wir in das Reich Gottes gelangen. (Apg 14,22)

52. Zu den Gedanken, die uns überreden, uns ein wenig um den Leib zu kümmern mit Nahrung und Getränken: + Sorgt nicht so für euren Leib, daß die Begierden erwachen. (Röm 13,14)

53. Zu den Gedanken, die uns ermutigen, uns mit einem kleinen Leckerbissen aus Gemüse zu stärken: + Der Schwache ißt Gemüse. (Röm 14,2)

54. Zu dem Gedanken, der uns zur Erntezeit die Lust eingibt, vom Neuen zu essen: + Jeder Wettkämpfer lebt aber völlig enthaltsam; jene tun dies, um einen vergänglichen, wir aber, um einen unvergänglichen Siegeskranz zu gewinnen. (1 Kor 9,25)

55. Zu den Gedanken, die zu uns kommen wegen großen Mangels und ständig die Kraft der Seele auflösen: + Von allen Seiten werden wir in die Enge getrieben und finden doch noch Raum; wir wissen weder aus noch ein und verzweifeln dennoch nicht; wir werden gehetzt und sind doch nicht verlassen; wir werden niedergestreckt und doch nicht vernichtet. Wohin wir auch kommen, immer tragen wir das Todesleiden Jesu an unserem Leib, damit auch das Leben Jesu an unserem Leib sichtbar wird. Denn immer werden wir, obgleich wir leben, um Jesu willen dem Tod ausgeliefert, damit auch das Leben Jesu an unserem sterblichen Fleisch offenbar wird. (2 Kor 4,8-11)

56. Zu dem Gedanken, der die Schmerzen des Magens, der Leber, der Nieren und das Aufblähen des vernachlässigten Bauches vor unseren Augen ausmalt: + Darum werden wir nicht müde; wenn auch unser äußerer Mensch aufgerieben wird, der innere wird Tag für Tag erneuert. (2 Kor 4,16)

57. Zu den Gedanken, die in uns entstehen, daß unser ganzer Leib bald zerstört sein wird: + Wir wissen: Wenn unser irdisches Zelt abgebrochen wird, dann haben wir eine Wohnung von Gott, ein nicht von Menschenhand errichtetes ewiges Haus im Himmel. (2 Kor 5,1)

58. Zu dem Gedanken, der Mitleid in uns weckt und uns überredet, den Armen zu geben, uns später aber betrübt und bedrängt wegen des Gegebenen: + Nicht verdrossen und nicht unter Zwang; denn Gott liebt einen fröhlichen Geber. (2 Kor 9,7) Und: Wer sich des Armen erbarmt, wird gesegnet werden. (Spr 22,9?)

59. Zu dem Gedanken, der uns die schreckliche Schwäche ausmalt, die von den Krankheiten kommt, die in uns durch das Fasten entstehen, und uns überredet, ein wenig Gekochtes zu essen: + Wenn ich schwach bin, dann bin ich stark. (2 Kor 12,10)

60. Zu dem Gedanken, der an Festtagen Sättigung an Wein sucht: + Berauscht euch nicht mit Wein - das macht zügellos -, sondern laßt euch vom Geist erfüllen! (Eph 5,18)

61. Zu den Gedanken, die die Seele nicht wünschen lassen, durch die Arbeit der Hände Nahrung zu verdienen, und sie überreden, auch von den Verwandten nichts zu nehmen, als ob sie arm oder weit weg von ihr wären, aber ihr raten, von anderen ihre Bedürfnisse erfüllen zu lassen: + Der Herr ist nahe. Sorgt euch um nichts, sondern bringt in jeder Lage betend und flehend eure Bitten mit Dank vor Gott! (Phil 4,5-6)

62. Zu dem Gedanken, der mir Hunger und Mangel an Brot prophezeit und mich dazu bringt, mir über die Schande, daß ich von anderen Gnade annehmen müßte, Sorgen zu machen: + In jedes und alles bin ich eingeweiht: in Sattsein und Hungern, Überfluß und Entbehrung. Alles vermag ich durch ihn, der mir Kraft gibt. (Phil 4,12f)

63. Zu dem Gedanken, der uns von der Handarbeit abbringt und uns überredet, zu erwarten, das Nötige von anderen zu bekommen: + Wir ermuntern euch aber, Brüder, darin noch vollkommener zu werden. Setzt eure Ehre darein, ruhig zu leben, euch um die eigenen Aufgaben zu kümmern und mit euren Händen zu arbeiten, wie wir euch aufgetragen haben. (1 Thess 4,10f)

64. Zu dem Gedanken, der uns hindert, mit den Händen zu arbeiten und uns bedrängt, bis zur Sättigung zu essen: + Wer nicht arbeiten will, soll auch nicht essen. (2 Thess 3,10)

65. Zu dem Gedanken, der sagt, daß der monastische Lebenswandel hart und übertrieben ist, durch die bösen Bedrängnisse unseren Leib zerstört und der Seele nichts nützt: + Jede Züchtigung scheint zwar für den Augenblick nicht Freude zu bringen, sondern Schmerz; später aber schenkt sie denen, die durch diese Schule gegangen sind, als Frucht den Frieden und die Gerechtigkeit. (Hebr 12,11)

66. Zu dem Gedanken, der nach Speise trachtet und die Almosen für die Armen vernachlässigt: + Vergeßt nicht, Gutes zu tun und mit anderen zu teilen; denn an solchen Opfern hat Gott Gefallen. (Hebr 13,16)

67. Zu dem Gedanken, der uns rät, ohne Magenschmerzen und schwere Krankheit Wein zu trinken, uns aber erinnert an den Befehl des seligen Apostels, den er dem Timotheus in dem an ihn gerichteten Brief gegeben hat: + Bewahre dich rein! Trink nicht nur Wasser, sondern nimm auch etwas Wein, mit Rücksicht auf deinen Magen und deine häufigen Krankheiten. (1 Tim 5,22f)

68. Zu dem Gedanken, der uns oft wieder zur Welt und ihren Befehlen zurückwenden will: + Wißt ihr nicht, daß Freundschaft mit der Welt Feindschaft mit Gott ist? Wer also ein Freund der Welt sein will, der wird zum Feind Gottes. (Jak 4,4)

69. Zu dem Gedanken, der meint, daß das Gebot des Fastens schwer ist: + Seine Gebote sind nicht schwer. Denn alles, was von Gott stammt, besiegt die Welt. Und das ist der Sieg, der die Welt besiegt hat: unser Glaube. (1 Joh 5,3f)

Gelobt sei unser Herr Jesus Christus, der uns den Sieg geschenkt hat gegen den Dämon der Gefräßigkeit!