Antirrhetikos
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Evagrius Ponticus: Antirrhetikos
Einleitung: Die Schrift des Evagrius über die acht Gedanken
Unter den vernunftbegabten Wesen unter dem Himmel kämpfen die einen, die anderen helfen den Kämpfenden, die dritten kämpfen gegen die Kämpfenden und heizen die Schlacht gegen sie mächtig an und halten ihnen stand. Die Kämpfenden sind die Menschen, ihre Helfer die Engel Gottes, und die Gegner sind die bösen Dämonen. Es liegt aber weder an der hartnäckigen Kraft der Feinde noch an der Trägheit der Helfer, sondern an der Schlaffheit der Kämpfenden, wenn die Erkenntnis Gottes unsichtbar wird und ihnen fehlt.
Unser Herr Jesus Christus, der uns alles zu unserem Heil überliefert hat, hat uns gelehrt, über Schlangen und Skorpione zu gehen und über alle Mächte des Bösen. Unter allen seinen Lehren hat er uns überliefert - er selbst hat es, vom Satan versucht, getan -, daß wir zur Entscheidungszeit des Kampfes gegen die Dämonen, wenn sie uns angreifen und Pfeile auf uns schießen, ihnen aus den heiligen Schriften entgegenreden sollen, damit die verbrecherischen Gedanken nicht in uns andauern und die Seele verknechten, indem sie zu Taten der Sünde führen, und die Seele beflecken oder gar in den Tod der Sünde versenken. Denn er sagt, daß die sündige Seele stirbt (Ez 18,4).
Wenn nicht in der alten Gesinnung der rechte, starke Gedanke dem bösen Gedanken behende und schnell entgegenredet, wird die Sünde vollbracht. Dies hat uns weise der Ecclesiastes gelehrt, als er sagte: die Gegenrede wird nicht vollzogen von denen, die schnell das Böse tun (8,11), und Salomo sagt in seinen Sprichwörtern: Antworte dem Unvernünftigen nicht nach seiner Unvernunft, damit du ihm nicht gleich wirst, sondern antworte ihm gemäß deiner Weisheit, damit er sich nicht weise vorkommt (Spr 26,4f). Denn wer töricht handelt, antwortet nicht nur erzürnt seinem Bruder mit törichtem Werk gemäß seiner Torheit, sondern macht sich auch den Dämonen gleich, deren Grimm der Grimm von Nattern ist (vgl. Dtn 32,33).
Wer aber geduldig sagt: "es steht geschrieben: halt dich zurück vom Zorn, und laß den Grimm hinter dir!" (Ps 36,8), der antwortet dem Törichten gemäß seiner Torheit, straft den Dämon der Torheit Lügen und hat gezeigt, daß er klug etwas diesem Entgegengesetztes bewirken kann gemäß den Schriften. Zur Stunde des Kampfes aber finden wir die zum Aussprechen gegen unsere Feinde, die grausamen Dämonen, benötigten Worte nicht sofort, weil sie in den Schriften zerstreut und deshalb nur schwer eifrig zu erfassen sind. Deshalb haben wir die Worte aus den Schriften herausgesucht, damit wir, mit ihnen bewaffnet, tapfer die im Kampf stehenden Philister verfolgen wie starke Männer und Soldaten unseres siegreichen Königs Jesus Christus, und damit wir dieses erkennen, Geliebte, daß wir so gegen sie im Kampf bestehen und den Dämonen antworten, die umso mehr gegen uns erzürnen. Dies aber lernen wir von Hiob, der sagte: wenn ich anfange zu reden, verletzen sie mich (nicht lokalisierbar im Hiob-Text).
Und wiederum wird von David gesagt: ich habe Frieden geredet, und sie haben grundlos gegen mich gekämpft (Ps 119,7). Es gehört sich aber nicht für uns, vor ihnen zurückzuweichen, sondern ihnen voll Vertrauen auf die Macht unseres Erlösers zu widerstehen. Denn wenn wir an Christus glauben und seine Gebote halten, haben wir den Jordan überschritten und werden die Palmenstadt (Jericho) einnehmen.
In diesem Kampf aber brauchen wir eine geistliche Waffe, nämlich festen Glauben und feste Lehre, das heißt, vollkommenes Fasten und starke Ausrichtung und Demut und schwer zu bewegende und ganz unerschütterliche Ruhe (Hesychia) und beständiges Gebet. Ich würde mich wundern, wenn jemand mit Verstand kämpfen kann und die Krone der Gerechtigkeit erhält, indem er seine Seele mit Brot und Wasser erfüllt, den Zorn schnell erweckt, und sowohl sorglos das Gebet verachtet als auch mit Häretikern zusammenkommt!
Denn siehe, Paulus sagt: Jeder Wettkämpfer aber lebt völlig enthaltsam (1 Kor 9,25), und allen Menschen erweist er Demut, immer die Hände (betend) erhoben, ohne Zorn und böse Gedanken (vgl. 1 Tim 2,8). Deswegen ist es nun für uns, die den ganzen Kampf kämpfen, angemessen, die geistliche Rüstung anzulegen und den Heiden zu zeigen, daß wir bis zum Blut gegen die Sünden kämpfen, indem wir die bösen Gedanken und jede sich gegen die Gotteserkenntnis erhebende Höhe (2 Kor 10,5) vernichten und uns bemühen, nicht den Mönch vor den Richterstuhl Christi hinzustellen, sondern das Denken. Denn der Mönch ist der, der sich abwendet von Werken der Sünde, das mönchische Denken aber ist das, das sich abwendet von der Sünde, die aus unseren Gedanken entsteht, und zur Zeit des Gebetes und der heiligen Dreizahl das Licht sieht.
Denn jetzt ist doch die Zeit, aufgrund der Macht unseres Herrn Jesus Christus zu kämpfen, zuerst gegen die Anfechtungen des Dämons der Völlerei, dann aber in Verbindung damit gegen die anderen sieben Dämonen, die ihm folgen und von denen ich am Anfang dieser monastischen Schrift geschrieben habe. Mein kämpfender Mund möge sich öffnen und reden vor Gott und seinen heiligen Engeln und vor meiner versuchten Seele! Den ganzen Kampf der monastischen Lebensweise werde ich deutlich zeigen, den der Heilige Geist durch die Psalmen David gelehrt hat und auch die gesegneten Väter uns überliefert haben. Dieser Kampf aber, von dem die Schrift mit diesem allem redet, geht für uns gegen die Gedanken, die von einem jeden dieser acht Dämonen herbeigeführt werden. Ich habe aber zu einem jeden der Gedanken eine Gegenrede aus den heiligen Schriften aufgeschrieben und zusammengestellt, die ihn zunichte macht.
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